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Unzulässige Fragen im Vorstellungsgespräch

14 Mai 2011 13:20 von MAWA

Unzulässige Fragen im VorstellungsgesprächWas ihr nicht verraten müsst

Die Zeiten, in denen Personalchefs die Bewerber durch unangenehme Fragen unter Druck zu setzen versuchten, sind im Allgemeinen vorbei. Solltet ihr dennoch an solch einen unangenehmen Gesprächspartner geraten, so bleibt ihr am besten zunächst gelassen. Fragen danach, ob ihr homosexuell, schwanger oder durchgeknallt seid, könnt ihr mit der Gegenfrage parieren, ob das Voraussetzung für den Job sei.

Bleibt es allerdings nicht nur bei einer derartigen - unerlaubten oder unschicklichen - Frage, so solltet ihr euch überlegen, ob ihr in einem Unternehmen mit solch einem Personalverantwortlichen überhaupt arbeiten möchtet. I.d.R. deuten derartige - führende - Mitarbeiter auf eine unangenehme Unternehmenskultur hin.

Unzulässige bzw. kritische Themen

Meist unzulässig sind Fragen nach

  • Vermögensverhältnissen bzw. Schulden

  • Austritts- oder Kündigungsgrund im vorherigen Arbeitsverhältnis

  • Heirat

  • Kinderwunsch

  • Schwangerschaft

  • Krankheiten

  • Parteizugehörigkeit

  • Öffentlichen Ämtern und Ehrenämtern

  • Mitgliedschaft in Vereinen und Verbänden

  • Gewerkschaftszugehörigkeit

  • Religionszugehörigkeit

  • Vorstrafen

Je nach Job und Branche gibt es Ausnahmen, bei denen der potentielle Arbeitgeber doch Fragen dazu stellen darf.

So müsst ihr über Vorstrafen Auskunft erteilen, wenn sie für den potentiellen Job von Bedeutung sein könnten. Seid ihr z.B. wegen Trunkenheit am Steuer rechtskräftig verurteilt worden, dann müsst ihr das bei einem Job, bei dem ihr selbst Auto fahren müsstet, auf Nachfrage zugeben. Nur über laufende Ermittlungen dürft ihr schweigen (denn hier gilt: Im Zweifel für den Angeklagten). [ArbG Münster, 3 Ca 1459/92]

Nach aktuellen Erkrankungen dürft ihr gefragt werden, wenn diese für die aufzunehmende Arbeit relevant sind. Das wäre der Fall, wenn ihr nicht in gleicher Weise einsatzfähig seid wie ein gesunder Kollege. Auch ansteckende Krankheiten dürfen nicht verschwiegen werden. Wenn sich aus der Erkrankung ergibt, dass ihr in absehbarer Zeit (auch nur zeitweise) arbeitsunfähig werden könntet, so müsst ihr dies auf Nachfrage ebenfalls zugeben.

Darüber hinaus kann es je nach Arbeitgeber (Beispiel: kirchliche Einrichtung, Partei, Gewerkschaft) doch erlaubt sein, dass nach einzelnen oben genannten Punkten gefragt wird und eine Antwort sich nicht vermeiden lässt. Als Bewerber seid ihr grundsätzlich verpflichtet, den Arbeitgeber über alle Umstände aufzuklären, die für den Abschluss des Arbeitsvertrags von Bedeutung sein könnten - sofern das für euch erkennbar ist.

Fragen nach den persönlichen Vermögensverhältnissen oder dem Kündigungsgrund im vorherigen Job sind aber nie angebracht und sollten eher Misstrauen gegen den zukünftigen Arbeitgeber wecken. Ganz allgemein müssen Fragen, die überhaupt keinen Bezug zum Arbeitsverhältnis erkennen lassen, nicht beantwortet werden.

Geht es um eine Vertrauensposition (Geschäftsleitung, Assistenz der Geschäftsleitung), so kann der Arbeitgeber besondere Anforderungen an die Vertrauenswürdigkeit und Zuverlässigkeit stellen.

Enttäuschungen vermeiden - besser mit offenen Karten spielen

Abschließend können wir euch noch den Rat geben, keine Dinge zurückzuhalten, von denen ihr ahnt, sie könnten für das Arbeitsverhältnis von Bedeutung sein. Auch wenn der Arbeitgeber danach nicht fragt - wenn ihr schon zu Anfang etwas verschweigt, wie soll sich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickeln? Also lieber gleich raus damit. Ihr habt nichts davon, wenn es deswegen später zu Enttäuschungen kommt, die zu einer Kündigung führen könnten.

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